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Stimme.
Die
Stimme ist ein wichtiges Merkmal eines jeden Individuums - an ihr erkennen wir
uns, mit ihr wirken wir auf unsere Mitmenschen. Viele Menschen erwerben mit der
Stimme ihren Lebensunterhalt und einige - insbesondere Sänger - sogar Ruhm.
Meistens jedoch wird die Stimme in Sprechberufen genutzt - weniger glamourös
vielleicht, aber mindestens ebenso wichtig. Treten
Störungen auf, hilft eine gezielte Behandlung beim Logopäden, den Beruf weiter
und ohne Beeinträchtigungen ausführen zu können. Stimmprobleme
haben darüber hinaus viele Kinder, die mit einer Gaumenspalte geboren werden.
Ihr Spracherwerb kann nicht erst nach dem Abschluss der Gaumenoperationen in
der Jugend beginnen - sie benötigen ihre Stimme schon vorher, so wie auch der
Kehlkopfkrebspatient seine Stimme nach einer Operation wiedererhalten muss. Stimmstörungen bei Kindern
Stimmstörungen
bei Kindern machen sich durch länger anhaltende Heiserkeit (ohne akuten Infekt)
bemerkbar. Die Stimme ist wenig belastbar und kann manchmal ganz wegbleiben.
Sie kann rau und gepresst oder kraftlos und hauchig klingen und eventuell
schwer verständlich sein. Es können funktionelle oder organische Ursachen
zugrunde liegen. Welche Stimmstörungen gibt es bei Kindern?
Es wird
zwischen funktionellen und organischen Stimmstörungen unterschieden. Organische Stimmstörungen
Organische
Stimmstörungen kommen im frühem Kindes- bzw. Säuglingsalter z.B. aufgrund von
Fehlbildungen des Kehlkopfes vor, bei Vorschul- bzw. Schulkindern auch als
sekundäre organische Veränderungen ("Schreiknötchen"), als Folge
entzündlicher Erkrankungen (chronische Kehlkopfentzündungen) oder als Folge von
Verletzungen im Kehlkopfbereich (durch Unfälle, Operationen etc). Funktionelle Stimmstörungen
Funktionelle
Stimmstörungen zeigen noch keine organischen Veränderungen, aber
Unregelmäßigkeiten im Schwingungs- bzw. Schließungsverhalten der Stimmlippen,
die eine Veränderung im Stimmklang ( Heiserkeit) und in der Stimmleistung
(Stimme bricht z.T. weg, ermüdet schnell) zur Folge haben. Sie können auch zu
sekundären organischen Veränderungen führen. Ursachen
von funktionellen Stimmstörungen können ein zu intensiver und falscher
Stimmeinsatz, ungünstige Körperhaltung, ungünstige Stimmmodelle (Eltern,
Bezugspersonen mit auffälligen Stimmen), ungünstige Umweltbedingungen, familiär
bedingte Stimmschwäche, Hörstörungen (beim Kind selbst oder bei Eltern /
Bezugspersonen, so dass immer laut gesprochen werden muss) sein. Es wird
zwischen hyper- und hypofunktionellen Stimmstörungen unterschieden, je nachdem,
ob mit zu viel oder zu wenig Spannung gesprochen wird. Hyperfunktionelle Stimmstörung
Die
hyperfunktionelle Stimmstörung kommt am häufigsten vor. Die Stimme klingt
heiser, rau, gepresst, teilweise ohne Ton, angestrengt und ermüdet bei
Belastung schnell. Meist sprechen die Kinder zu schnell, z. T. undeutlich und
eher laut. Die Stimme ist meist zu tief, kann aber auch erhöht sein. Es fällt
eine Schnappatmung beim Sprechen auf. Die Körperspannung ist meist erhöht vorwiegend im Schulter-Nacken-Kiefer-Bereich
bestehen An- bzw. Verspannungen. Die Kinder haben oft eine eher geringe
Musikalität und eine verminderte Fähigkeit zum Singen. Sie nehmen meist ihre
Stimme selbst nicht als auffällig wahr oder finden sie eventuell sogar cool . Manchmal besteht ein
Fremdkörpergefühl oder Kratzen im Hals. Kindliche
Stimmstörungen können auch in Kombination mit kindlichem Stottern oder
Sprachentwicklungsstörungen bzw. Sprachentwicklungsverzögerungen vorkommen. Hypofunktionelle Stimmstörung
Bei der
hypofunktionellen Stimmstörung ist die Stimme heiser, kraftlos und stark
behaucht. Beim Sprechen tritt Kurzatmigkeit auf, die Artikulation ist meist
undeutlich und die Kinder sprechen oft leise und sind schlecht zu verstehen.
Die Körperspannung ist eher schlaff. Es kann
zusätzlich eine Myofunktionelle Störung bestehen und eventuell
ein nasaler Stimmklang. Näseln (Rhinophonie)
Näseln
kann organisch (z.B. bei Lähmungen des Gaumensegels, bei Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten)
oder funktionell bedingt sein kann. Es wird zwischen offenem Näseln (beim
Sprechen entweicht zu viel Luft durch die Nase, da das Gaumensegel nicht
vollständig abdichtet), geschlossenem Näseln ("Stockschnupfensprache":
es entweicht keine Luft durch die Nase) und gemischten Formen unterschieden. Psychogene Stimmstörungen
Selten
treten psychogene Stimmstörungen (Stimmklangveränderung aufgrund psychischer
Beeinträchtigungen) bei Kindern auf, die meist in Kombination mit anderen psychischen
Störungen (z.B. Magersucht oder Bulimie) vorkommen oder als psychogene Aphonie
(völlige Stimmlosigkeit) nach einem traumatischen Erlebnis oder Schock. Hier
erfolgt in erster Linie eine psychologische Betreuung und ggf. eine
logopädische Mitbehandlung. Weitere
Informationen enthält unser Faltblatt "Stimmstörungen bei Kindern". Wie kann Stimmstörungen vorgebeugt werden?
Bei organischen
Stimmstörungen durch Fehlbildungen, Unfälle, Verletzungen etc. sind
eventuell operative Maßnahmen und gegebenenfalls logopädische Behandlung zur
Milderung oder Behebung der Störung sinnvoll. Hinsichtlich
der funktionellen oder sekundär organischen Stimmstörungen
("Schreiknötchen") kann einer möglichen Störung durch präventive
Maßnahmen durchaus vorgebeugt werden. Dazu
gehören beispielsweise:
Welche Hilfen bietet die Logopädie?
Zur Prävention
von Stimmstörungen bei gefährdeten Kindern können in Gruppen- oder in
Einzelsitzungen Kurse angeboten werden (z.B. auch in Schule oder Kindergarten).
Bei
bestehenden oder vermuteten Stimmstörungen sollte das Kind einem HNO-Arzt oder
Phoniater vorgestellt werden, der den Kehlkopf und das Hörvermögen untersucht
und ggf. eine logopädische Verordnung ausstellt. Auf der Grundlage des
ärztlichen Befundes findet eine logopädische Stimmdiagnostik
und ein Anamnesegespräch mit den Eltern und dem Kind statt, in
dem der Beginn und der Verlauf der Stimmstörung sowie alle damit verbunden
Faktoren (allgemeine Entwicklung, Krankheiten, Sozialverhalten, Sozialkontakte,
Umfeldbedingungen etc.) abgeklärt werden. Entsprechend den Ergebnissen des
logopädischen Befundes wird eine Behandlung durchgeführt. In
der Regel wird einzeln behandelt, unter Umständen können aber auch
Gruppentherapien sinnvoll sein. Ausführliche Elternberatung und ggf. auch
Elternarbeit begleiten jede Kindertherapie und können bei kleineren Kindern
evtl. im Vordergrund stehen. Das Ziel
der Therapie ist, die stimmliche Kommunikationsfähigkeit des Kindes durch eine
belastbare Stimme zu verbessern. Nach
einer Therapieeinheit erfolgt ein logopädischer Abschlussbefund
und eine weitere ärztliche Untersuchung um zu entscheiden, ob die Therapie
beendet werden kann oder eine weitere Therapieeinheit erfolgen sollte. Stimmstörungen bei Erwachsenen
Stimmstörungen
bei Erwachsenen können funktionelle oder organische Ursachen haben. Sie äußern sich
in länger bestehender Heiserkeit (ohne akuten Infekt), eingeschränkter
Belastbarkeit der Stimme, Schmerzen und/oder einem Fremdkörpergefühl im
Kehlkopf. Welche Stimmstörungen gibt es bei Erwachsenen?
Organische Stimmstörung
Als
organische Stimmstörungen werden Erkrankungen bezeichnet, bei denen es zu einer
organischen Veränderung im Bereich des Stimmapparates kommt (Knötchen,
Entzündungen, Ödeme, Veränderungen durch Unfälle oder Operationen, Lähmungen
oder Teilentfernungen der Stimmlippen - im schwerwiegendsten Fall
Kehlkopfentfernungen - bei Kehlkopfkrebs). Die Stimme ist meist stark heiser
und kann teilweise oder ganz ausbleiben, es kann zu Doppeltönigkeit kommen oder
zu starker Behauchung, je nach Ursache und Ausmaß der Störung. Funktionellen Stimmstörung
Bei
funktionellen Stimmstörungen ist keine organische Veränderung erkennbar, doch
das Schwingungs- und Schließungsverhalten der Stimmlippen ist gestört.
Funktionelle Stimmstörungen sind die häufigsten Stimmstörungen und kommen meist
bei Berufssprechern (Lehrern, Erziehern, Call-Center-Mitarbeiter etc.) vor.
Aufgrund von z. B. falschem oder ungünstigem Stimmgebrauch, durch ein eher
"zartes" Kehlkopfgerüst, durch Überlastung (zu viel und zu lautes
Sprechen), Umweltbelastungen (Sprechen in zu trockenen Räumen, gefährliche
Stäube - wie z.B. Kohle, Mehlstaub etc.), durch psychische Belastungen (Stress,
Überlastung, Konflikte etc.) können Stimmstörungen entstehen. Werden
funktionelle Stimmstörungen nicht behandelt, können sekundär organische
Stimmstörungen (Knötchen) auftreten. Hyper- und hypofunktionelle Störung
Es wird
zwischen hyper- und hypofunktionelle Störungen unterschieden. Psychogene Stimmstörung
Eine
psychogene Stimmstörung kann sich in ihrem Klangbild hyper- oder
hypofunktionell äußern. Meist spiegelt sich der auffällig heisere und
angestrengte bzw. kraftlose Klang der Stimme nicht demgemäß im ärztlichen
Untersuchungsbefund. Ursache der Stimmveränderung sind psychische Probleme oder
Störungen. Stimmstörungen durch hormonelle Einflüsse
Durch
hormonelle Einflüsse (Anabolika, Geschlechtshormone - z.B. bei einer
Brustkrebsbehandlung oder bei Geschlechtsumwandlungen etc.) können
Stimmstörungen entstehen, die meist Veränderungen der Stimmhöhe und der
Leistungsfähigkeit der Stimme zur Folge haben, welche oft auch nach Absetzen
der Substanzen weiter bestehen. Mutationsstimmstörungen
Bei
Jungen kann es nach der Abschluss der Pubertät zu Stimmstörungen kommen (Mutationsstimmstörungen:
die hohe Kinderstimme wird beibehalten, obwohl die anatomischen Gegebenheiten
für eine Männerstimme gegeben sind). Dabei wird nach organischen
(Kehlkopffehlbildungen, hormonelle Störungen) und funktionellen Ursachen
unterschieden. Die Stimme ist sehr hoch, bei stark eingeschränktem Stimmumfang
und wird bei längerem Gebrauch heiser, rau, angestrengt und wenig belastbar. Dysodie
Auch die
Singstimme kann gestört sein (Dysodie). Hierbei kann es durch falsche
Singtechnik oder Überforderung zu Einschränkungen der Leistungsfähigkeit und
der Klangqualität kommen. Rhinophonie
Wenn der
Stimmklang nasal ist, sprich man von einer Rhinophonie. Hierbei wird
unterschieden zwischen geschlossenem (zu geringe Nutzung des nasalen
Klangraumes - "Stockschnupfen") und offenem Näseln (übermäßige
Nutzung des nasalen Klangraumes, da kein genügender Gaumensegelverschluss
erfolgt - z.B. bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten). Hierbei treten in der Folge
auch Veränderungen der Artikulation (Rhinolalien) auf. Weitere
Informationen enthält unser Faltblatt "Stimmstörungen bei
Erwachsenen". Wie kann Stimmstörungen vorgebeugt werden?
Funktionellen
Stimmstörungen und sekundären organischen Veränderungen (Knötchen) kann durch
entsprechende stimmhygienische Maßnahmen (ausreichende Flüssigkeit, gutes
Raumklima, Vermeiden von allergenen und belastenden Stoffen, kein aktives oder
passives Rauchen etc.) und präventive Stimmübungen vorgebeugt werden. Welche Hilfen bietet die Logopädie?
Logopäden
beraten über stimmhygienischen Maßnahmen und bieten Kurse
und Seminare zur Vermeidung von Stimmstörungen insbesondere für
Menschen in Sprechberufen an. Bei
auftretenden Stimmproblemen sollte unbedingt ein HNO-Arzt oder Phoniater
(Facharzt für Stimmbeschwerden) aufgesucht werden. Der Arzt untersucht den
Kehlkopf und das Hörvermögen und stellt ggf. ein Rezept für eine logopädische
Behandlung aus. Die Logopädin führt eine Stimmuntersuchung
durch und führt ein Anamnesegespräch, in dem der Beginn und
der bisherige Verlauf der Stimmstörung sowie alle beeinflussenden Faktoren
geklärt werden. Anschließend erläutert die Logopädin ihren Befund
und erstellt einen Behandlungsplan Auf dieser Grundlage
erfolgt die logopädische Therapie, in der Regel in
Einzelbehandlungen. Inhalte einer
Stimmtherapie sind Übungen zur Verbesserung der Wahrnehmung, der Atmung, der
Haltung, der Körperspannung und der mit der Stimme zusammenhängenden
Artikulation sowie gezielte Stimmübungen. Ggf. erfolgen Beratungsgespräche über
alle mit der Stimmstörung in Zusammenhang stehende Faktoren. Ziel
einer Stimmtherapie ist eine belastungsfähige Stimme mit der bestmöglichen
Wiedererlangung und Stabilisierung optimaler stimmlicher
Kommunikationsfähigkeit in Alltag und Beruf. Dies ist immer abhängig von Ausmaß
und Ursache der Störung bzw. Grunderkrankung. Wichtig für den Therapieerfolg
ist der ständige Transfer des Geübten in den Alltag. Nach
Ablauf der logopädischen Verordnung erfolgt erneut eine Untersuchung beim
Facharzt, der dann in Absprache mit der Logopädin und auf der Grundlage des
logopädischen Berichtes entscheidet, ob eine weitere Therapieeinheit erfolgen
soll oder ob die Stimme ausreichend stabilisiert wurde und wieder
belastungsfähig ist. Heiserkeiten
ohne akuten Infekt, die länger als 4 Wochen bestehen, müssen unbedingt ärztlich
abgeklärt werden. |
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