|
|
Schlucken.
Die
Muskeln, die uns das Sprechen ermöglichen, benutzen wir auch beim Schlucken.
Etwa 2000-mal schluckt der Mensch pro Tag - meist ohne dass ihm dies bewusst
ist. Nicht
schlucken zu können, verhindert die Nahrungsaufnahme, das Essen, und stellt
eine ganz erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität dar. Sich zu
verschlucken kann sogar tödlich enden. Bei neurologisch bedingten Störungen,
etwa nach einem Schlaganfall, einem Schädel-Hirn-Trauma oder einem Hirntumor
übernehmen LogopädInnen die tragende Rolle bei einer Schlucktherapie, die
interdisziplinär durchgeführt wird. Schluckstörungen bei Kindern
Schluckstörungen
(Dysphagien) bei Kindern können in jeder Altersstufe auftreten. Sowohl Säuglinge
als auch ältere Kinder können unter Schluckstörungen leiden. Bei den Säuglingen
sind oft Frühgeborene betroffen, die z.B. nicht kraftvoll saugen können. Bei
den älteren Kindern handelt es sich meist um Kinder mit körperlicher oder
geistiger Behinderung. Daneben
kommen Schluckstörungen aber auch bei insgesamt gesunden Kindern vor, die ein
ungünstiges Schluckverhalten entwickelt haben. Dieses abweichende Schluckmuster
kann sich z.B. ungünstig auf die Entwicklung der Zahnstellung auswirken. Welche Schluckstörungen gibt es?
Organische Schluckstörungen
Organische
Schluckstörungen können durch neurologische Erkrankungen mit Beeinträchtigung
der Hirnentwicklung auftreten, wie z.B. bei körperbehinderten Kindern oder
durch Störungen der Hirnfunktionen nach Unfällen. Wesentliche Merkmale sind
Veränderungen der Beweglichkeit von Muskeln und/oder Beeinträchtigungen im
Bereich der Wahrnehmung (Sensibilität) von Mund- und Schluckmuskulatur. Viele
Kinder zeigen Lähmungen, durch die sie den Mund z.B. nur schwer schließen
können, oder es gelingt ihnen nicht, die Nahrung ausreichend zu zerkleinern.
Betroffene Kinder verschlucken sich oft und nicht immer können sie ausreichend
husten, um ihr Schluckproblem zu lösen. Organischen Schluckstörungen
liegen sehr unterschiedliche Bewegungsprobleme zu Grunde. Manche Kinder zeigen
eine eher kraftlos wirkende, wenig aktive Muskulatur, bei anderen besteht eine
sehr angespannte, zu hohe Muskelaktivität. Funktionelle Schluckstörungen (Myofunktionelle
Störungen)
Funktionelle
Schluckstörungen kommen bei Kindern vor, die ein frühkindliches Schluckmuster
im Verlauf der Entwicklung nicht durch ein normales Schluckmuster wie bei
Erwachsenen ersetzen. Diese Kinder fallen oft erst spät auf, wenn z.B. ein
Kieferorthopäde die Zahn- bzw. Kieferentwicklung korrigieren möchte. Die
betroffenen Kinder zeigen ein ungünstiges Schluckverhalten, bei dem im
Wesentlichen die Zunge beim Schluckvorgang zu stark gegen die Zähne presst. Ein
solches auffälliges Schluckverhalten entsteht auf der Basis eines muskulären
Ungleichgewichtes, d.h. manche Muskeln der Gesichts- und Schluckmuskulatur sind
sehr aktiv, andere zu wenig. So fallen die Kinder z.B. dadurch auf, dass ihr
Mund oft aufsteht (zu geringe Kiefer bzw. Lippenaktivität) und dass ihr Kinn
beim Schluckvorgang gekräuselt aussieht (zu starke Aktivität des
Kinnmuskels). Weitere
Informationen enthält unser Faltblatt "Schluckstörungen bei Kindern".
Wie können Schluckstörungen verhindert werden?
Genaue
Beobachtungen bei der Nahrungsaufnahme von Kindern mit Schluckproblemen können
helfen, ungünstige Schluckabläufe schnell zu erkennen (z.B. wenn ein Säugling
auffallend häufig hustet) und durch Einflussnahme, die z.B. durch die
Verbesserung der Körperhaltung beim Füttern, einzugrenzen. Außerdem sollten
Eltern ihre Kinder darin unterstützen,
Nuckelgewohnheiten aus der Kleinkindzeit bis zum Alter von etwa drei Jahren abzubauen. Die
Früherkennung von auffälligen Schluckabläufen ist eine wesentliche Grundlage
dafür, dass sich gestörte Funktionen nicht automatisieren und somit normale
(physiologische) Schluckbewegungen möglich werden. Zusätzlich können sekundäre
Probleme (kieferorthopädische Maßnahmen) auf diese Weise evtl. verhindert
werden. Welche Hilfen bietet die Logopädie an?
Die
Logopädie bietet zunächst Beratung zu allen Fragen der
kindlichen Schluckstörungen an, denn nicht jede Auffälligkeit ist bereits ein
Zeichen für eine behandlungsbedürftige Schluckstörung. Aufgabe einer Logopädin
ist es, die von Eltern genannten Auffälligkeiten einzuordnen und zu klären, ob das Kind
tatsächlich von der Normalität abweichende Schluckprobleme hat und welche
Maßnahmen zu treffen sind. Hier kann u.U. eine umfangreiche Beratung der Eltern
in Hinblick auf unterstützende Maßnahmen bei der Nahrungsaufnahme (Prävention)
ausreichend sein. Sollte ein Hinweis auf unphysiologische Bewegungsabläufe beim
Schlucken bestehen, sollte eine ausführliche logopädische Diagnostik
erfolgen. Wesentlicher
Teil der logopädischen Diagnostik ist die Anamnese, d.h. hier
werden Fragen z.B. zu den Symptomen der Schluckstörung, zu den bisherigen
Essgewohnheiten, zum bisherigen Entwicklungsverlauf, zu besonderen Ereignissen
im Leben des Kindes (z. B. Krankenhausaufenthalte) aber auch zu Sozialkontakten
des Kindes gestellt, um einen umfassenden Einblick in die Lebensbedingungen des
Kindes zu gewinnen. Dies ist auch wichtig für die logopädische Therapie,
die versucht, die Nahrungsaufnahme zu verbessern, indem die notwendigen
Bewegungsabläufe erleichtert und geübt werden. Die Inhalte der logopädischen Therapie
ergeben sich unmittelbar aus dem logopädischen Befund, der mit
den Eltern vor Beginn der Therapie besprochen wird. Die Eltern erhalten
kontinuierlich Einblick in den Verlauf der Therapie, indem sie
über Fortschritte und Veränderungen in der Therapie informiert werden. Nach
Möglichkeit werden sie in die einzelnen Übungssequenzen einbezogen. Am Ende
einer Therapiephase wird ein Abschlussbefund mit der
ausführlichen Darstellung des Behandlungsstandes für den Arzt erstellt. Schluckstörungen bei Erwachsenen
Schluckstörungen
(Dysphagien) bei Erwachsenen können in Verbindung mit neurologischen
Erkrankungen, wie z.B. bei multipler Sklerose oder nach Schlaganfall auftreten.
Einige Patienten bekommen auch Schluckprobleme aufgrund von Alterungsprozessen.
Außerdem können Störungen der Nahrungsaufnahme nach operativen Eingriffen oder
als Unfallfolge vorkommen. Die
meisten Patienten leiden sehr unter den Symptomen einer Schluckstörung.
Teilweise gelingt die Nahrungsaufnahme nur mit großen Schwierigkeiten. Die
Patienten verschlucken sich häufig, weil sie die Nahrung z.B. nicht mehr
ausreichend zerkleinern bzw. nicht genau spüren können, ob der Mund schon leer
ist, oder ob noch Reste im Mund verblieben sind. Die
Symptome sind sehr unterschiedlich und hängen davon ab, welche Ursachen ihnen
zugrunde liegen. Schluckstörungen können zu Fehl- oder Mangelernährung führen
und somit lebensbedrohlich werden. Lebensgefahr kann auch bestehen, wenn durch
falsches Schlucken Nahrungsreste in die Luftröhre gelangen. Welche Schluckstörungen gibt es?
Schluckstörungen
Schluckstörungen
können durch neurologische Erkrankungen wie z.B. multiple Sklerose auftreten.
Wesentliches Merkmal sind senso-motorische Veränderungen, d.h. die
Beweglichkeit und/oder die Wahrnehmung (Sensibilität) der Mund- und
Schluckmuskulatur ist beeinträchtigt. Durch gestörte Nervenaktivität kommt es
zu Schwierigkeiten bei der Koordination des Schluckvorganges. Viele Patienten
zeigen Lähmungen, durch die sie den Mund z.B. nur schwer schließen können, oder
es gelingt ihnen nur unzureichend, die Nahrung zu zerkleinern. Andere
Patienten, die Probleme nach operativen Eingriffen im Kehlkopf- oder
Mundbereich z. B. durch Krebserkrankungen haben, können nur verbliebene
Muskelstrukturen für die Nahrungsaufnahme verwenden. Organische
Schluckstörungen können unterschiedliche Störungsschwerpunkte haben, je nach
pathologischer Muskelaktivität. Manche Patienten zeigen eine eher kraftlos
wirkende, wenig aktive Muskulatur, andere erscheinen eher verspannt durch zu
hohe Muskelaktivität. Weitere
Informationen enthält unser Faltblatt "Schluckstörungen bei
Erwachsenen". Wie kann Schluckstörungen vorgebeugt werden?
Das
Schlucken sichert das Überleben, indem unserem Körper Nahrung zugeführt wird.
Dabei wird deutlich, dass die einzelnen Schluckfunktionen sehr genau
koordiniert werden müssen, damit ein reibungsloser Ablauf gewährleistet wird. Schluckgestörte
Patienten können sehr davon profitieren, wenn sie ihre Körperhaltung den
unterschiedlichen muskulären Möglichkeiten entsprechend anpassen. Manchmal ist
es auch sinnvoll sich beraten zu lassen, welche Kost mit welchen Hilfsmitteln
evtl. leichter aufgenommen werden kann. In jedem Fall sollte jeder, der
Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme hat, umgehend professionelle Beratung
durch einen Arzt oder eine Logopädin in Anspruch nehmen, um vor allem möglichst
frühzeitig eventuelle neurologische Erkrankungen festzustellen. Die
Früherkennung von auffälligen Schluckabläufen ist eine wesentliche Grundlage
dafür, dass sich gestörte Funktionen nicht automatisieren und somit möglichst
normale (physiologische) Schluckbewegungen erhalten bleiben. Welche Hilfen bietet die Logopädie an?
Die
Logopädie bietet zunächst Beratung zu allen Fragen bei
Schluck-störungen an, denn nicht jede Auffälligkeit ist bereits ein Zeichen für
eine behandlungsbedürftige Schluckstörung. Aufgabe einer Logopädin ist es,
die Auffälligkeiten einzuordnen und zu klären, ob ein Patient
tatsächlich von der Normalität abweichende Schluckprobleme hat und welche
Maßnahmen zu treffen sind. Hier kann u.U. eine umfangreiche Beratung in
Hinblick auf unterstützende Maßnahmen bei der Nahrungsaufnahme (Prävention)
ausreichend sein. Sollte ein Hinweis auf unphysiologische Bewegungsabläufe beim
Schlucken bestehen, sollte eine ausführliche logopädische Diagnostik
erfolgen. Wesentlicher
Teil der logopädischen Diagnostik ist die Anamnese, d.h. hier werden Fragen
z.B. zum Auftreten der Schluckstörungen, den bisherigen Essgewohnheiten und zu
weiteren Ereignissen aus der Krankengeschichte geklärt. Dies ist auch wichtig
für die logopädische Therapie, die versucht, die
Nahrungsaufnahme zu verbessern, indem die notwendigen Bewegungs-abläufe
erleichtert und geübt werden. Die Inhalte der logopädischen Therapie ergeben
sich unmittelbar aus dem logopädischen Befund, der mit dem
Patienten und seinen Angehörigen vor Beginn der Therapie besprochen wird. Die
Betroffenen erhalten kontinuierlich Einblick in den Verlauf der
Therapie, indem sie über Fortschritte und Veränderungen in der
Therapieplanung informiert werden. Nach Möglichkeit werden auch Angehörige in
die einzelnen Übungssequenzen einbezogen. Am Ende einer Therapiephase wird ein Abschlussbefund
mit der ausführlichen Darstellung des Behandlungsstandes für den Arzt erstellt. |
|
|